Über mich

Das Wechselmodell mit Kindern -

Meine Erfahrungen

"Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann." (Mahatma Ghandi)

 

Es war einmal ein Mädchen. Das Mädchen (ok, es war schon 28, aber immer noch voller mädchenhafter Hoffnung:-)) verliebte sich in einen ganz tollen Jungen, der auch "schon" über 30 war, aber auch ganz fest an die große Liebe glaubte. Bis dahin (fast) alles ganz normal - außer vielleicht dem Kennenlernen im Internet - das war und ist vielleicht immer noch nicht ganz so üblich. Nichtsdestotrotz - es war alles perfekt und es lief auch ganz klassisch perfekt weiter. Kennenlernen - Zusammenziehen - Heiraten - Häuschen bauen (oder zumindest renovieren) - Kinder kriegen, sogar zwei.

 

Aber nach und nach bröckelte das perfekt Zusammensein immer mehr - irgendwie war der Wurm drin und der futterte sich durch den ganzen Apfel mehrfach durch - und irgendwie war da einfach nicht mehr genug da um weiterzumachen. Zumindest nicht so, dass alle Beteiligten dabei glücklich und zufrieden waren. Und dabei ist auch nichts dramatisches vorgefallen - zumindest bei uns gab es nicht den großen Knall mit vielen Verletzten. Natürlich ist das nur meine Darstellung - aber zumindest bei diesem Thema waren wir uns weitgehend einig - konnten es trotzdem nicht verhindern, dass es auseinander ging.

 

"Die Ehe ist ein Versuch, zu zweit wenigstens halb so glücklich zu werden, wie man allein gewesen ist." (Oscar Wilde)

 

Und wir haben es versucht - wirklich! Bei der ersten Eheberatung wurden wir gefragt, wie hoch wir unsere Zunkunftschancen einschätzen und beide sagten "zu 80% bleiben - und nur zu 20% gehen" - aber vielleicht war es schon damals ein Wunschtraum. Wer gesteht sich schon gerne ein, dass es gescheitert ist. Allein die Vorstellung, das komplizierte Konstrukt Ehe mit Haus und Kindern wieder auseinander zu dividieren - ist ein Graus! Meine Tochter war damals noch kein Jahr alt - wie grausam die Vorstellung, dieses Baby "teilen" zu müssen. Also haben wir weitergemacht und gehofft, dass es sich irgendwie einrenkt. Und sogar noch eine gewisse Zeit die Eheberatung weitergemacht. Aber irgendwann mal haben wir uns sogar dabei mehr gegenseitige Vorwürfe gemacht als das die Stunden noch weitergeholfen hätten - und wir habe es ad acta gelegt.

Dann ging der Trubel mit meinem Berufseinstieg nach 1,5 Jahren zuhause wieder los. Mit 80% einsteigen war die damalige Lösung. Warum sollte eigentlich ich die Teilzeitstelle haben? Wir haben gleich verdient. Aber irgendwie war das so ein Selbstläufer - ein Selbstverständnis als Mutter die Arbeitszeit zu reduzieren. Ich glaube, in unserer Kita hat damals keine einzige Mutter Vollzeit gearbeitet - und wenn dann wären die an einer Hand abzuzählen. Ich wäre der absolute Exot. Und was für ein merkwürdiger Beigeschmack - Mutter und Vollzeit? Die armen Kinder! Wofür hat sie diese nur geboren wenn sie Karriere machen will - unvorstellbar und das noch in einem Dorf! Also habe ich mitgemacht - und war zunehmend unglücklicher über diese Regelung.

 

Wir pendelten beide ca. 1h zur Arbeit. Und ich "musste" an 4 Tagen die Woche um 15 Uhr gehen und die Kinder abholen. An einem Tag habe ich lang gearbeitet und der Vater hat die Kinder abgeholt. Damit sah die Aufgabenverteilung wie folgt aus:

Mutter: 80% Arbeit + 80% Kinder = 160%

Vater: 100% Arbeit + 20% Kinder = 120%

Ich weiß dass viele die Rechnung für Blödsinn halten werden:-(

Aber so empfand ich nun mal die Belastung - und ich war fix und fertig. Kranke Kinder, alle Termine der Kinder, Essen, Kleidung, Einrichtung usw. - das war alles meine Verantwortungsbereich. Und ganz ehrlich - ich hätte es auch als Super-MOM geschafft doch doch! Aber was fehlte war die Wertschätzung. Und betone hier nochmal - es ist meine Sicht der Dinge! Ganz sicher sogar werden an dieser Stelle viele Männer die Augen verdrehen und ganz fest behaupten dass Sie natürlich das schätzen was die Frauen leisten. Und bei vielen ist das sicher auch der Fall - aber ganz sicher nicht bei allen. Und so konnte ich nicht weitermachen.

 

"Es gibt ein unfehlbares Rezept, eine Sache gerecht unter zwei Menschen aufzuteilen: Einer von ihnen darf die Portionen bestimmen, und der andere hat die Wahl." (Gustav Stresemann)

 

An der Stelle kommt nun was, was Männer von ihren Frauen selten hören werden: ein Eingeständnis! Zu was? Nun ja ok - ich war an dem Zustand sicher nicht ganz unschuldig. Tatsächlich sind nicht nur die Männer schuld - sondern Frauen tragen einen großen Teil dazu bei, dass die Aufgabenverteilung "schief" ist. Und zwar einfach dadurch dass sie sehr zögerlich Dinge aus der Hand geben. Erst wenn wir völlig überfordert sind und überhaupt nicht mehr klar kommen, erst dann denken wir übers Delegieren nach. Aber dann ist es meist zu spät. Auch bei uns war das so. Dazu muss man sagen dass ich vor der Geburt meines Sohnes aus einer 60h Woche auf der Arbeit kam. Ich hatte eine gute Managementposition und war es gewohnt bis spät in die Nacht zu arbeiten. Ich war gut in meinem Job und mit dem gleichen Anspruch bin ich auch in die Mutterschaft reingegangen. Hallo?! - ein winziges Bündel - ich würde es doch locker in den Griff bekommen! Das war doch nichts gegen anspruchsvolle Go-to-Market Pläne. Bei meinem Sohn hat es tatsächlich auch super geklappt. Er war ein einfaches "Anfängerbaby" was viel schlief und gut aß und v.a. überhaupt nicht schrie - er kommunizierte und verhandelte:-) Parallel haben wir in nur 3 Monaten ein komplettes sanierungsbedürftiges Haus renoviert - zu 50% allein mit unseren eigenen Händen. Wenn ich nicht gerade Laminat verlegt habe, habe ich gestillt. Klappte locker - wir waren ein super Team! Dabei habe ich auch noch die kompletten Schwangerschaftspfunde verloren - ein Traum!

 

Doch dann kam der Wiedereinstieg in den Beruf. Ich habe es mit 100% versucht und um eine andere Stelle gebeten - und kam wieder auf meinen 60h Job:-( Mein erster Gedanke war: na gut - dann gleich ein zweites Baby! Wollten wir eh - nur vielleicht ein bißchen später. Aber gut, dann gleich - wird schon klappen - und in nur wenigen Wochen war ich wieder schwanger. Das Ende der Arbeit war damit schon abzusehen aber leider auch das Ende unserer Ehe.....

 

Mit dem zweiten Kind in der kurzen Zeit haben wir uns einfach übernommen. Meine Tochter war definitiv kein "Anfänger"-Baby sondern eine Advanced-Version für sehr erfahrene Eltern mit starken Nerven. Mehrere Monate am Stück war ich jede Stunde wach in der Nach und habe entweder gestillt oder Schnuller reingeschoben - auch wenn sie am Ende 6 Stück im Bett hatte - die verschwanden auf wundersame Art und Weise. Ich war fertig- und ich hatte gar nichts mehr im Griff. Und dann war da noch ein kleiner Junge, der nicht mal 2 Jahre war und auch Aufmerksamkeit gebraucht hat. Keine Familie war in der Nähe und meine Eltern noch berufstätig. An der Stelle war ich zwangsweise bereit zu delegieren - aber es war zu spät!

 

„Richtig verheiratet ist der Mann erst dann, wenn er jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat.“ (Alfred Hitchcock)

 

Ich hatte es einfach schon etabliert dass ich das Haus putze und einkaufe und mich einfach um alles kümmere was so anfällt. Natürlich kann man dann bitten und nochmal bitten, aber dann wird es einem zu blöd. Schließlich ist es doch nicht nur mein Haus und nicht nur meine Kinder. Ja, du arbeitest aber ich drehe doch auch nicht nur Däumchen. Das gegenseitige Verständnis nahm von Monat zu Monat ab. Es kamen immer mehr Kleinigkeiten dazu. Jeder nicht rausgestellte Müll wurde zu einem Eklat. Und dann das städnige Meckern und Kritisieren an mir. Ungelogen - ich habe eine Liste der ständigen Vorwürfe in Excel erstellt. Der Übersichtlichkeit halber habe ich die Liste pro Raum erstellt. Die Küche war der "Lieblingsraum" - für mich ein Minenfeld schlechthin. Jede Verfehlung meinerseits wurde sofort kommentiert - ich war so wütend und frustriert! Und dann habe ich angefangen nachzudenken. Zu reden haben wir schon versucht - und das über Monate - moderiert und allein. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass das noch was bringt. Das ist schon faszinierend wie man eine Sprache sprechen kann ohne eine gemeinsame Sprache zu sprechen - die Kommunikation wurde schlichtweg sinnlos! Aber die Streitigkeiten kamen immer mehr dazu - auch vor den Kindern konnten wir es nicht vermeiden. Da ich über das Stadium der Schuldzuweisung drüber bin macht es an dieser Stelle keinen Sinn, den Gehalt der Streits noch auszuführen. Jeder der in einer ähnlichen Situation steckt, kann sich das selbst ausmalen. Jedes Zusammensein wurde zu einer Zumutung. Oft haben wir die Kinder separat genommen und mit denen was unternommen. Gemeinsam gab es nur Zoff!

 

Als meine Tochter 2 Jahre alt war habe ich mich mit dem Gedanken Trennung das erste Mal so richtig beschäftigt - und diesen verworfen. In meinen Überlegungen war "die Teilung" der Kinder mit dem Vater von Anfang an ein absolutes natürliches und gesundes Selbstverständnis. Aber mein Baby, was noch einen Schnuller und eine Windel hatte und kaum sprechen konnte, konnte ich nicht teilen - Wechselmodell hin oder her! Auf keinen Fall - das müsste anders gehen. Also habe ich den Gedanken verworfen. Wir sind gemeinsam 10 Tage nach Mexiko geflogen - ganz allein ohne Kinder  - danke der lieben Oma. Aber leider hat das nichts gerettet - die Entfernung war nicht mehr zu überbrücken.

 

"Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast." (George Bernard Shaw)

Dieses Zitat kam mir damals sehr oft ins Gedächtnis. Mittlerweile waren wir definitiv nur wegen der Kinder zusammen - das war auf beiden Seiten deutlich zu spüren. Die Stimmung war untererdisch. Und natürlich spürten das auch die Kinder. Wir waren uns in gar nichts mehr einig und haben das lautstark ausdiskutiert. Ich fühlte mich wie eine Ratte, die in der Falle saß. Egal was du entscheidest, es ist falsch! Und dann kannst du dir noch in vielen vielen Jahren von den Kindern selbst anhören, dass wir uns als Eltern schon hätten früher trennen sollen zum Besten von allen. Davon kenne ich nun auch etliche Beispiele:-( Ich hatte Angst, dass ich die Kinder bewusst oder unbewusst dafür verantwortlich mache, dass ich bleiben muss und keine andere Wahl habe. Und dann kam Silvester - und am Abend haben wir das erste Mal offen und natürlich emotional über Scheidung gesprochen. Wir haben diskutiert und geweint und uns in den Armen gelegen und gesagt, wie versuchen es nochmal. Eine Woche später habe ich gesagt, dass ich ausziehe....

Copyright © All Rights Reserved