Neue Partnerschaften

Das Wechselmodell mit Kindern -

Meine Erfahrungen

Neue Partnerschaften im Wechselmodell

 

"Solange uns die Menschlichkeit miteinander verbindet, ist egal, was uns trennt." (Ernst Ferstl)

 

Eine wichtige Erkenntnis vorab, unter der jede neuen Beziehung stehen wird und auch stehen soll bei einem Wechselmodell: Der Vater meiner Kinder wird immer zu unserem Leben gehören. Er ist und bleibt ein Teil des Lebens der Kinder – also auch von meinem, ob ich es manchmal will oder nicht. Also war es wichtig, ihm eine Rolle in meinem neu gewonnenen Single-Leben zuzuweisen und diese Rolle nach Möglichkeit klar zu definieren und zu leben. Das erleichtert für alle enorm das Zusammenleben. Und wenn das Single-Leben sich dann in Richtung neuer Beziehung ändert, ist es auch wichtig, ihn bei der Änderung „abzuholen“. Das scheint aus meiner Sicht ein fairer Ansatz zu sein, denn schließlich hat man einen großen Teil seines Lebens mit ihm verbracht. Und nicht zu vergessen – seine/meine/unsere Kinder werden mit diesem neuen Menschen Umgang haben – spielen, lachen und Ausflüge machen. Ich habe überlegt, wie ich mich selbst dabei fühlen würde, wenn es anders rum wäre – wenn er eine Neue in seinem Leben hätte. Also habe ich dann beschlossen, mich so zu verhalten, wie ich selbst behandelt werden möchte – und hoffe, dass es sich auszahlt:-)

 

"Alle Männer sind gleich, bis auf den, den man gerade kennen gelernt hat." (Mae West) 

 

Ich war früher als er bereit, eine neue Beziehung einzugehen. Ein Jahr nach der Trennung und ein Paar Monate nach dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung habe ich beschlossen, mich „umzuschauen“. Bei dem gelebten Wechselmodell war und bin ich ja jede zweite Woche alleinerziehend. Und in Anbetracht meines beruflichen Eingespannt sein habe ich schnell beschlossen, dass das Internet die beste und realistischste Möglichkeit darstellt, jemanden kennen zu lernen. Vor 10 Jahren habe ich schon den Vater der Kinder auf diese Weise kennengelernt und warum sollte es nicht ein zweites Mal funktionieren. Gesagt – getan – angemeldet! Abends wenn die Kinder im Bett waren konnte ich dann ungestört „stöbern“ und schreiben. Aber was oder wen wollte ich eigentlich genau? Diese Frage konnte ich mir erst im Laufe der kommenden Wochen beantworten durch die Kommunikation mit verschiedenen Männern. Zumindest was ich nicht wollte wurde mir schneller klar. Die Männer konnte ich nach einer Weile ganz gut in verschiedene Gruppen einteilen:


Gruppe 1: relativ frisch Getrennte mit Kindern, ziemlich verbittert, eigentlich noch dabei, die Wunden zu lecken, nicht wirklich bereit, was Neues einzugehen, aber sehr bereit zu reden --> diese Gruppe war für einen Gedankenaustausch zu dem Thema Trennung und Umgang mit den gemeinsamen Kindern sagen wir mal sehr nützlich, mehr aber auch nicht. Dabei lernte ich so einige Horrorgeschichten einer Trennung aus Männersicht, erschreckend, frustrierend und sehr verwundernd über das eigene Geschlecht. Und meistens haben die armen Männer doch wirklich überhaupt nichts Schlimmes gemacht - wirklich! Können Frauen wirklich so böse sein?


Gruppe 2: Sunnyboys um die 50, ohne Kinder, Karrieretypen, sich gegen Familie mal entschieden oder noch besser "nicht die Richtige zum Kinderkriegen gefunden", dabei aber eine Frau mit Kindern kontaktieren - warum? Hmm, diese lässt einen vielleicht eher in Ruhe mit einem Kinderwunsch, der schon erfüllt wurde und ist dabei immer noch jung genug für gemeinsame Freizeitgestaltung --> diese Gruppe war stark daran interessiert, zu verstehen, wie oft die Kinder den wirklich da wären und sein müssten und wie genau denn der Kontakt zum Vater der Kinder noch aussah. Gab es da noch genug Platz im Leben der Frau für deren Wenigkeit und den Porsche, der natürlich mit Kindersitzen ausgestattet werden konnte? Können Frauen wirklich so primitiv sein?


Gruppe 3: nette Durchschnittstypen knapp über 40 mit einem latenten Kinderwunsch, auch "noch nicht die Richtige zum Kinderkriegen gefunden" - aber schön wärs doch! Ja ok, eine Frau mit Kindern ist da nicht optimal und sicherlich nicht die erste Wahl, aber was tun, wenn man in der unmittelbaren Umgebung alles schon abgegrast hat? --> diese Gruppe interessierte sich sehr früh für meinen eventuell noch vorhandenen Kinderwunsch und war natürlich auch sehr daran interessiert wie hoch die Chancen einer Wiedervereinigung zwischen den Eltern waren. Ja, Frauen sind schon darüber geschmeichelt, wenn man mit ihnen Kinder haben will, aber wirklich nicht mit jedem!


Gruppe 4: die Randgestalten, die ihren Standard-Text schon wirklich bei Jeder mal in die Kontaktaufnahme reinkopiert haben, teilweise zweimal, ohne Erfolg und mit zunehmender Verzweiflung. Wofür soll man das Profil überhaupt lesen - die schreibt doch eh nicht zurück! Kinder, welche Kinder? Ach so, ja auch ok.


"Es gibt keine Freiheit ohne gegenseitiges Verständnis." (Albert Camus)


Diese Auswahl frustrierte doch nach einigen Wochen und Monaten. Irgendwie hat man immer das Gefühl, dass keine „normalen“ Männer dabei sind, wenn schon nicht DER richtige, dann wenigstens „normal“ - kann ja nicht zu viel verlangt sein:-( Und dann kam ER! Kurz vor Weihnachten haben wir uns das erste Mal getroffen – und es war einfach toll! Die knapp zwei Stunden in einem Café vergingen wir im Flug und dann musste ich los, um die Kinder für meine Mama-Woche abzuholen. Irgendwie war ich dann etwas zerstreut an diesem Abend, abgelenkt und verträumt – und interessiert! Nach einem vielversprechenden Start in der digitalen Welt ging es mit dem Satz: „Ich würde dich gerne wiedersehen.“ in der realen Welt weiter und weiter.


Abgesehen von der gegenseitigen Sympathie haben einige gemeinsame Faktoren zu dieser positiven Entwicklung beigetragen. Denn das Verliebtsein fühlt sich zwar auch mit fast 40 nicht anders als als damals mit 20. Doch wir waren diesmal nicht allein in unseren Empfindungen und Entscheidungen. Je fester man im Leben steht, desto mehr Strukturen und Verpflichtungen bestimmen den Alltag. Und als das natürlich wichtigste Kriterium waren da mehr oder weniger kleine Menschen auf beiden Seiten, die in allen entstehenden zwischenmenschlichen Beziehungen eine wichtige Rolle spielten. Meine kleinen Menschen waren 4 und 6. Seine „Kleinen“ schon 10 und 14 – und damit schon beginnende pubertierende Wesen. Damit wäre das wichtigste Kriterium erfüllt – wir beide hatten Kinder!

"Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist das einzige vollkommen selbstlose Gefühl."

(William Somerset Maugham)


Anfangs habe ich mir das nicht zum Kriterium gemacht. Doch im Laufe der Zeit habe ich verstanden, dass kein Mann ohne Kinder die Liebe von Eltern zu ihren Kindern nachempfinden und damit nachhaltig akzeptieren könnte. Auch wenn er viel Verständnis hätte durch die gegenseitige Zuneigung. Diese ur-natürliche und selbstverständliche Liebe und auch Verpflichtung der Eltern zu ihren Kindern ist natürlich auch in einem Wechselmodell unverändert. Auch wenn die Kinder nicht bei mir sind, bin ich für sie da. Ich kann einspringen, wenn sie krank sind und zuhause bleiben müssen. Ich kann einspringen wenn es beim Vater auf der Arbeit zu viel wird. Und umgekehrt hilft er mir genauso. Das heißt nicht dass ich ständig auf Abruf bin. Wenn es seine Woche ist, dann schaut er erst mal, dass er auch ohne meine Unterstützung klar kommt – da er ja die gleichen Möglichkeiten hat wie ich. Aber wenn er meine Hilfe wirklich braucht, dann bin ich da. Das hat mit einer partnerschaftlichen Liebe und Zuneigung nichts zu tun! Es ist eine funktionierende Kooperation als Eltern für die gemeinsamen Kindern. Diesen feinen Unterschied muss man als neue Partner gegenseitig verstehen und akzeptieren. Denn es geht um die Kinder – und um nichts anderes!


Natürlich ist eine gewisse Eifersucht dennoch im Spiel, das ist nur menschlich. Das neue geliebte Wesen gehört nicht dir allein. Seine Zeit und seine Liebe musst du teilen, mit kleinen Menschen, die du erst mal nicht mal kennst. Und die von einer anderen Person sind, die im Zweifelsfall deinem geliebten Wesen einmal das Herz gebrochen hat und vielleicht immer noch das Leben schwer macht. Das alles macht die gemeinsame Sache ganz bestimmt nicht einfach. Aber wer hat schon ein einfaches Leben!? Das Wechselmodell ordnet das Leben, erhebt aber nicht unbedingt den Anspruch, das Leben aller Beteiligten einfacher zu machen. Fair und transparent – JA, aber nicht unbedingt einfach.

"Die zwei größten Tyrannen der Erde: der Zufall und die Zeit." (Johann Gottfried von Herder)

 

Und das Wechselmodell fordert natürlich Zeit. Jede zweite Woche bin ich alleinerziehend. Und die andere Woche arbeite ich bis spät abends. Damals arbeitete ich mit 90%. Inzwischen bin ich auf 100% hochgegangen, da meine Job sich eh nicht um 10% reduzieren lässt und ich für die gleiche Arbeit wie schon mit theoretischen 90% nun auch bezahlt werde. Und – ich liebe meinen Job! Ich arbeite sehr gerne – auch wenn ich eine Stunde zur Arbeit fahren muss und ich bis in die Nacht manchmal vor dem Laptop sitze. Ich machen meinen Job sehr gerne – und ich behaupte mal gut! Und natürlich ist das eine Herausforderung schlechthin, in diesem Konstrukt Wechselmodell und Vollzeit noch Zeit für eine Beziehung zu finden. Der andere muss schon auch sehr zeitlich eingespannt sein damit es aufgeht. Damit nicht der ständige Vorwurf im Raum steht, dass man nicht genug Zeit für einander hat. Denn es ist ja tatsächlich so – nur empfindet man das anders wenn beide zeitlich so eingespannt sind, dass einfach keine Zeit zum Klagen ist:-)

 

Bei uns beiden war das schon immer so – mal mehr mal weniger. Erstmal haben wir uns nur an den Abenden nach der Arbeit gesehen, wenn die Kinder nicht bei mir waren. An den Wochenenden war es auch nicht einfach. Ich habe die Kinder zwar jedes zweite Wochenende nicht. Aber er sieht seine Kinder fast jedes Wochenende, aber nur an einem der Tage. Und dazu kommt, dass mit der Mutter seiner Kinder leider die Abstimmung so bescheiden läuft, dass er teilweise nur eine Woche vorher erfährt, an welchem der beiden Tage er die Kinder „haben darf“. Somit hätten wir auch geklärt, dass auf seiner Seite ganz sicher kein Wechselmodell existiert und auch nichts anderes halbwegs faires und geordnetes. Das stellt von Zeit zur Zeit doch eine Herausforderung für uns da. Allerdings kommt uns da mein Bedürfnis zu Gute, auch mal Zeit allein für mich haben zu wollen. Ich genieße es, neben der Kinder und einer Beziehung auch mal Zeit für mich zu haben, mich langweilen zu können und auch spontan was unternehmen zu können ohne mich mit irgendjemanden abstimmen zu müssen.

"Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aus dem Respekt." (Daniel Defoe)

 

Damit hätten wir die zwei gemeinsamen Faktoren geklärt, die aus meiner Sicht enorm dazu beigetragen haben, dass sich eine Beziehung überhaupt entwickeln konnte: Kinder auf beiden Seiten – und eine nicht gerade geringe berufliche Einspannung ebenfalls auf beiden Seiten. Dabei sollte man natürlich nicht vergessen, dass das relevanteste Kriterium nach wie vor die gemeinsame Sympathie gewesen ist, aus der die Liebe entstand. Und an dieser Liebe wollte ich dann auch meine Kinder nach und nach teilhaben lassen. Und wie stellt man das wohl am geschicktesten an?

 

Ob es der richtige Weg war oder nicht. Es war auf jeden Fall der Weg, den ich für mich gewählt habe. Und noch bevor die Kinder was erzählen konnten, was sie so halbwegs aufgefangen haben, habe ich erst mal ihren Vater, meinen Exmann eingeweiht. Irgendwie hatte das was mit Respekt für mich zu tun. Ich hatte ihm schon einige Wochen nach der Anmeldung in den Datingportalen davon erzählt, dass ich das überhaupt gemacht habe. Ich wollte das Potenzial einer Überraschung möglichst gering halten. Bei einem neu aufzubauenden Verhältnis zwischen den Eltern, die sich als Paar getrennt haben und einen anderen Zugang zueinander suchen müssen, sind Überraschungen auf zwischenmenschlicher Ebene eher ungünstig. Ich bin zwar nicht von verbleibenden Gefühlen für mich auf seiner Seite ausgegangen. Aber es ist natürlich dennoch eine merkwürdige Empfindung, wenn der Mensch, mit dem du den Rest des Lebens verbringen wolltest und mit dem du Kinder hast, plötzlich einen neuen Partner an seiner Seite hat. Mir würde es umgekehrt so gehen. Also wollte ich ihn Schritt für Schritt schon darauf vorbereiten.

 

Zu der Anmeldung in den Datingportalen hat er schon nicht viel gesagt, außer dass er selbst noch kein Interesse daran hat. Als ich meinen neuen Freund ungefähr sechs Wochen lang kannte, hatte ich meinem Exmann davon erzählt, dass es jemanden Neuen in meinem Leben gibt. An seine erste Reaktion kann ich mich heute noch erinnern. Er wollte sichergehen, dass ich nicht gleich die Kinder mit dem Neuen konfrontiere. Valide Befürchtung, die deutlich seine einzige Sorge zeigte – was sagen die Kinder? Ärgerlich fand ich das aber durchaus, dass er mir nicht etwas mehr Feingefühl zugetraut hat. Für mich war das doch auch ein wichtiger Punkt. Ich würde sicher nicht jeden meinen Kindern vortellen! Aber nach über zwei Monaten Bekanntschaft, die nun doch als Beziehung zu bezeichnen war, wollte ich mein Glück auch mit den Kindern nach und nach teilen.

"Der Freund ist einer, der alles von dir weiß, und der dich trotzdem liebt." (Elbert Hubbard) 

 

Also habe ich Ihnen erst mal erzählt, dass ich einen Freund habe. So weit so gut. Doch was ist denn bitte ein Freund für einen Sechsjährigen und eine Vierjährige. Die haben doch auch eine Menge Freunde im Kindergarten. Und die Mama hat doch auch hier und da Freunde. Was ist denn nun der Unterschied? Also gab‘s dann eine Erklärung der Liebe für Kindergartenkinder. „Ein Freund ist jemand, in den man verliebt ist und er ist der Einzige, den man auf den Mund küssen darf.“ Das schien den Kindern zu genügen. Denn sie waren ja auch schon verliebt „mit dem und mit dem auch“. Aber auf den Mund küssen, das war dann doch noch etwas eklig, also besser nicht. Und der Freund der Mama schien sehr nett zu sein. Er hat mal hier mal da was für die Mama geschrieben, auf kleinen weißen Zetteln, und diese in der Wohnung versteckt. Und manchmal lag auf Mamas Auto eine Blume auch mit einem Zettel. Das war ja spannend! Das Auto wurde schon jedes Mal richtig abgesucht, ob doch noch was irgendwo versteckt lag. An Valentinstag wurde erneut eine Rose auf dem Auto „gefunden“. Meine Tochter wurde dann nachdenklich: „Kann denn dein Freund auch für mich was am Auto verstecken?“. Ich fand das soooo süß! „Schnecke – er kennt dich doch gar nicht!“ Sie dachte wieder nach: „Kannst du ihm dann bitte sagen wie ich heiße und dass ich 4 Jahre alt bin?“. Na gut, wenn ich diese Infos mit ihm austausche, dann versteckt er natürlich auch was für dich:-) Herrlich! Wir man sieht, ohne dass die Kinder ihn je zu Gesicht bekommen haben, waren sie schon sehr positiv auf ihn gestimmt. Immerhin tat er der Mama gut und versteckte lauter nette Sachen irgendwo – wie lustig!

Wie haben nun aber die Kinder den neuen Mann im Mamas Leben kennengelernt? Tja, dafür wollte ich einen neutralen Ort finden, an dem man sich auch etwas aus dem Weg gehen kann, wenn man will. Was eignet sich dazu besser als ein Zoo, eher ein kleiner Tierpark, den beide schon kannten. Ich habe das Kennenlernen lange davor angekündigt und beide waren gespannt wie ein Flitzebogen! Und dann war alles ganz einfach. Für die Kinder war der neue Mann ein tolles neues Spielzeug! Wie nett er war. Es spielte mit ihnen und sprang im Gegensatz zu Mama sofort auf wenn sie was wollten. Aber ich glaube, sie spürten vor allem eins – die Harmonie zwischen Mama und dem Neuen. Keine Streits, keine Diskussionen, Friede, Freude, Eierkuchen. Wie mein Freund mal sagte: „Sie haben mich adoptiert.“ Und dabei musste er noch nicht mal Überraschungseier für die Bestechung verwenden.

"Glück gleicht in der Höhe aus, was ihm in der Länge fehlt." (R. Lee Frost)

 

Ob es nun an ihm als diesen besonderen Menschen liegt oder ob die Kinder in diesem Alter jeden mit offenen Armen aufgenommen hätten – ich weiß es nicht. Aber ehrlich gesagt, habe ich auch etwas Bammel vor der Antwort. Im Moment ist alles wundervoll und wir sind über ein Jahr zusammen und freuen uns über jede gemeinsame Stunde. Doch was ist, wenn es mal nicht mehr so läuft? Wir sind nicht aneinander gebunden durch Ehe, Haus und Kinder – ganz allein die Gefühle halten uns zusammen und keinerlei Verpflichtungen. Was ist nun aber wenn es nicht so läuft? Wenn die Gefühle abkühlen und wir beide erneut feststellen, doch nicht den Partner fürs Leben gefunden zu haben? Wenn man in diesem Alter und dieser Situation im Leben angekommen ist, ist es eine durchaus berechtigte Befürchtung dass nicht alles für die Ewigkeit ist. Man selbst berappelt sich und das Leben geht dann weiter. Aber was ist mit den Kindern? Schon wieder ist man nicht allein in dieser Entscheidung, mit wem man die Partnerschaft hat. Denn die Kinder haben den anderen Menschen an Mamas Seite doch auch schon liebgewonnen. Und wenn die Mama von Papa verlässt, dann bleibt der Papa den Kindern als Papa erhalten. Aber der andere Mann, der nie Papa war und doch ihnen ans Herz gewachsen ist, der ist dann für immer weg! Auf diese Frage habe ich leider keine Antwort. Manchmal beschäftigt sie mich mehr - manchmal wieder weniger.

"Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück. Es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt. (Lucius Annaeus Seneca)

 

Ich versuche zwar nicht bewusst, den Kontakt zwischen meinem neuen Partner und meinen Kindern so gering wie möglich zu halten. Aber ich lege es auch nicht darauf an, uns in seinem Leben bewusst breit zu machen. Im Endeffekt ergibt sich alles aus unserem geliebten Wechselmodell. Jede zweite Woche habe ich die Kinder am Wochenende nicht. Da verbringe ich einen Tag mit meinem Partner und den anderen Tag verbringt er mit seinen Kindern. Sehr selten mache ich auch mal was mit ihm und seinen Kindern. Erstens sieht er sie sowieso nur 24 Stunden lang und ich möchte, dass seine Kinder ihn ganz für sich allein haben. Zweitens muss ich gestehen, freue ich mich auch über das Alleinsein und die Freiheit, alles unternehmen zu können was ich möchte. An den anderen Wochenende habe ich dann die Kinder. Und auch hier hat er an einem Tag seine Kinder – und jeder verbringt die Zeit mit altersspezifischen Kinderaktivitäten. Und an dem andere Tag gönne ich ihm gerne seine Ruhe, damit auch er sich erholen kann von einer anstrengenden Woche. Selten unternehmen wir dann doch was zusammen mit meinen Kindern. Somit führt unser normale Alltag schon dazu, dass meine zwei Lebensbereiche „Kinder“ und „Partnerschaft“ mit wenig Berührung nebeneinander existieren – was auch ganz gut ist. Ich weiß nicht, was das Leben irgendwann mal in diesem Bereich bringen wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch diese Herausforderungen irgendwie alle meistern werden – also die Kinder, ich, mein neuer Lebenspartner, mein Exmann und vielleicht dann auch seine Lebensgefährtin. Ich bin sehr gespannt darauf, welche bunten Patchwork-Seiten das Leben für uns noch parat hat:-)

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